Wettbewerbsbeitrag für die Bestandserweiterung der alten Lazarettkaserne,
Graz/Austria – 2. Platz

ZEITPUNKT: 2013
KATEGORIE: Architecture
PARTNER: Arch. DI Thomas Tschöll
LANDSCHAFTSPLANUNG: bauchplan ).(
MODELLBAU: Patrick Klammer
STATUS: completed

Plakate

Lazarettguertel Plakat 1

Lazarettguertel Plakat 2

Lazarettguertel Plakat 3

BEURTEILUNG DURCH DAS PREISGERICHT

Das Projekt zeigt eine Großform auf, die beide Innenhöfe durch mäanderartige Baumassenverteilung in Gleichgewicht setzt. Positiv wird besonders die Dachlandschaft bewertet, die bei den Anknüpfungspunkten an die Bestandsbauten gut gelöst erscheint. Nicht nachvollziehbar ist die Verteilung der Funktionen im Dachgeschoss. Das Endstück des Mäanders im östlichen Innenhof wird kritisch gesehen, da die Qualität des Innenhofes dadurch vermindert wird. Allgemein ist die Erschließung ökonomisch situiert, die Grundrisse sind gut gelöst.

MODELLFOTOS

lazarettguertel_1

lazarettguertel_2

lazarettguertel_3

ERLÄUTERUNGSBERICHT:

Die Ist-Situation:

Das Wettbewerbsareal befindet sich im südlichen Übergangsbereich vom Stadtzentrum in die periphere Suburbanität der Stadt Graz. Es liegt am Schnittpunkt Kärntnerstraße- Lazarettgürtel, zweier großer Zubringerstraßen zum Stadtzen- trum. Am Grundstück befinden zwei vier- bis fünfgeschossige Bestandsgebäude. Ein Gebäude mit L-förmiger Grundform schließt das Areal gegen Osten zum Lazarettgürtel hin ab. Ein Weiteres mit U-Form bildet den direkten Anschluss daran und bildet die Straßenfassade gegen Westen an der Kärntnerstraße. Die beiden Gebäude spannen eine große, gegenwärtig aber wenig genutzte Hoffläche auf, welche nach Norden ausufert und nur durch einen niederen Begrenzungszaun und den umliegenden Nachbargebäuden abgeschlossen wird. Die akustisch heikle Situation der Hoffläche, welche sich durch die Nähe zu den beiden Hauptverkehrsadern ergibt, wird momentan durch die zahlreichen, sich am Grundstück befindlichen Bäume reguliert und erträglich gemacht.
Die räumlichen Eigenschaften des Ortes werden fast zur Gänze durch die Bestandsgebäude, sowie den Charakteristiken der bestehenden Grün- und Freiflächen generiert. Die Wirkung des umliegenden Stadtraumes auf das Grundstück ist demzufolge sehr gering. Das liegt vor allem an der losen städtischen Struktur in der sich das Wettbewerbsareal befindet, welche vom Aufeinandertreffen verschiedener Stadtsysteme geprägt wird. Am Kreuzungspunkt der Kärntnerstraße treffen die Ausläufer der zentralen Blockrandbebauung auf die beginnende Zeilenbebauung des Stadtrandes. Hinzu kommt die Gewerbe- und Dienstleistungsnutzung entlang der großen Verkehrsachsen, welche durch große Gebäudevolumen in industrieller Bauweise charakterisiert ist, sowie im Anschluss an des Wettbewerbsareal im Süden gelegen ein kleinformatige Einfamilienhausbebauung wie sie für den Stadtrand üblich ist. Demzufolge von einer „Eigenschaftslosen Stadt“ zu sprechen würde der Situation nicht gerecht werden. An Stelle von Präsenz des Städtischen und klaren Strukturmerkmalen, wird die vorgefundene urbane Situation vielmehr durch Fragilität und nicht eindeutiger räumlicher Situationen und baulicher Strukturen gekennzeichnet.

Projektansatz und städtebauliche Formenbildung:

Primäre Projektidee war es deshalb, prägnante räumlich Strukturen zu schaffen, welche sich als solche auch dementsprechend im städtischen Raum präsentieren. Zentrale Bedeutung wurde dabei dem Umgang mit den Bestandsgebäuden und der Problematik der Akustik an diesem speziellen Ort beigemessen. Im vorliegen Bebauungsvorschlag werden der L- sowie der U-förmige Bestandsbaukörper als Torso, als Restteile einer größeren zusammenhängenden Struktur gelesen. Diese Fragmente sollen nun durch neue Passstücke wieder zu einem großen Ganzen zusammengefasst werden. Eine Großform, die dem Wunsch Rechnung trägt, neue qualitative Außenflächen zu generieren, welche wieder verloren gegangene Wohn- und Aufenthaltsqualitäten an diesen Ort zurückbringen. Zur Lösung der akustischen Situation wurde eine Bebauung mittels verschieden positionierter Einzelbaukörper, wie sie in den Auslobungsunterlagen vorgesehen war, ausgeschlossen. Eine viel zielführendere Lösung liegt vermutlich im baulichen Abschluss entlang der nördlichen Grenze des Projektareals mit einem durchgängigen Gebäuderiegel. Dies hat allerdings einen schwer nutzbaren Innenhof mit großen Ausmaßen zur Folge. Das Projekt sieht nun eine Ergänzung des Bestandes durch zwei Baukörper vor. Ein erstes Volumen, welches nordseitig an den U-Bestandsbau anschließt und mittels eines weiteren U-förmigen Baukörpers eine Klammer bildet, welche wiederum an den L-förmigen Bestandsbau anschließt. Ein zweites Bauvolumen mit L-Form wird nordseitig dem östlichen Bestandgebäude beigestellt. Für die Neubauten wurde eine einheitliche Baukörpertiefe gewählt, welche nur dort Abweichungen erfährt, wo infolge der Bestandssituation Variationen notwendig sind. Es entsteht so eine schlangenförmiger linearer Baukörper, welcher den Freiraum in drei unterschiedliche Hofflächen gliedert.
Einen ersten Hof im Westen, welcher die Funktion eines großen Wohnhofes übernimmt, ein Raum des Treffens und Verweilens. Er bildet die größte Freifläche und wird von jenen Bereichen umschlossen, in denen neben dem Wohnen auch noch die weiteren Nutzungen (Studentenheim, Werkstätte für Menschen mit Beeinträchtigung, Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe) der Gesamtanlage untergebracht sind. Ein zweiter, kleinerer Wohnhof bildet sich im Osten. Diese Hoffläche ist nicht unterkellert, sodass darin auch tiefwurzelnde Pflanzen und Bäumen untergebracht werden können. Dieser Hof ist die eigentliche Grünfläche der Anlage und bildet einen Ort der Ruhe und der Intimität. Zwischen diese beiden Höfe liegt eine schmalere befestigte Hoffläche, welche die Aufgabe eines Eingangs- oder Verbindungshofes übernimmt. Er ist in der Mitte des Wettbewerbsareals gelegen, öffnet sich nach Norden, wo zukünftig eine neue Querverbindung zwischen Kärntnerstraße und Lazarettgürtel geschaffen werden soll. Er steht in loser Verbindung mit dem großen Wohnhof (durch die Aufständerung des Nord-Südriegels des ersten Neubaukörpers) und dem kleinen Wohnhof (über die Baulücke zwischen dem zweiten Neubaukörper und dem L-Bestand). Es kann so ein Hybridsystem an Freiflächen errichtet werden, in dem sowohl drei weitgehend unabhängige und klar definierte Höfe mit unterschiedlichen Charakteren entstehen, andererseits dieser aber in unmittelbarer Beziehung stehen und somit als System kommunizierender Gefäße gelesen werden können.

Grün- und Freiraumkonzept:

Wie bereits erwähnt, war es Ziel der Außenraumgestaltung ein System zusammenhängender Freiräume zu schaffen, welche in einer stetigen Wechselbeziehung zueinander stehen, zeitgleich aber klar definierte Aufgabenbereiche übernehmen. Die drei Höfe unterscheiden sich demnach eindeutig in ihrer funktionalen Nutzung.
Der Eingangs- oder Verbindungshof bildet jene Schwelle, wo man den öffentlichen Straßenraum verlässt, um in die kleinmaßstäblichere Struktur der Anlage überzutreten. Er besitzt noch einen stark urbanen Charakter, da er als eine große, befestigte Fläche konzipiert wurde, die bis auf einige urbane Möbel und Bäume im Eingangsbereich nutzungsfrei ist und so den Bewohnern und Nutzern einen frei bespielbaren Raum anbietet. Diese Fläche kann als Marktfläche, für Quartiersfeste oder temporäre Veranstaltungen wie Sommerkino, Konzerte oder andere kleinere Veranstaltungen dienen. Durch die zweigeschossige Aufständerung des westlichen Verbindungsbaus mittels Y-Stützen, besitzt diese Fläche einen beträchtlichen Teil an überdachter Außenfläche, was die Variabilität seiner Bespielung zudem erhöht.
Schreitet man westwärts durch diese Säulenarkade hindurch, so betritt man den großen Wohnhof. Diese Fläche ist im Gegensatz zum Eingangshof viel konkreter mit Funktionen belegt und gliedert sich im Wesentlichen in drei Funktionsinseln. Eine Insel, die als Liegewiese und Fläche für studentisches Gemeinschaftsgärtnern vorgesehen ist. Eine weitere, die Platz für einen Kinderspielplatz bietet und eine Dritte in Form einer Blumenwiese, welche durch ihre topografischen Niveauunterschiede das Element der bewegten grünen Landschaft in die Anlage einleiten soll. Umspült werden diese Insel, welche mit abgesenkten Betoneinfassungen eingerahmt sind, von einer zusammenhängenden sandgebundenen Wegedecke, welche zum einen wasserdurchlässig ist, um Regenwasser schnell ableiten zu können und andererseits der sommerlichen Überhitzung entgegenwirkt. Am Rande des großen Wohnhofes sind zudem Flächen für sportliche Aktivitäten wie Fassadenklettern oder Basketballspielen am Dach der Tiefgarageneinfahrt. Abgerundet wird diese räumliche Situation durch etliche Sitzlauben und in die Formensprache integrierter Fahrradständer.
Der große Wohnhof schließt über die bestehenden Baulücke der beiden Bestandsbauten Richtung Süden nahtlos an die Freifläche, die dem Bestandskomplex im Süden vorgelagert ist, an. Auch dieser bereits bestehende Grünraum soll im Zuge des Projektfortschrittes eine entsprechende Aufwertung erfahren.
Im Osten an den Einganshof grenzt der kleinere Wohnhof an. In diesem Hof nehmen sich die Wegflächen weitgehend zurück und machen Platz für Quartiersgartenparzellen und einer Fläche, wo neben zahlreichen Obstbäumen auch verschiedene Sitzgelegenheiten und eine Spielfläche für Kinder Platz finden. Die Gestaltung dieses Hofes ist eine Referenz an den Hausgarten mit dazugehörigem Obsthain und soll an vergangene Tage erinnern, als der Gemüsegarten und der Obsthain ein wesentliches räumliches Element des Vorstadthauses bildeten.
Um einzelnen Bewohnern neben den sehr öffentlich funktionierenden Freiräumen in der Erdgeschosszone einen privateren gemeinschaftlichen Freiraum zu geben, wurden zusätzlich im Dachgeschoss noch grüne Dachterrassen errichtet. Es sind dies luftoffene Freiflächen im Dachgeschoss, welche als private Grünräume von den jeweiligen Bewohner der einzelnen Gebäudeteile, sowie von den Bewohnern des Studentenheims genutzt werden können. Diese Bereiche heben sich von den allgemeinen Außenflächen im Erdgeschoss ab und erlangen durch ihre Abgehobenheit und den damit verbundenen Ausblicken besondere Qualitäten. Um durch diese Einschnitte den Formfluss des Gebäudes nicht allzu stark zu unterbrechen, bleiben die Dachflächen in den Bereichen dieser Dachgärten erhalten. Hier wird die Trapezblecheindeckung allerdings in ein feinmaschiges Gittergewebe aufgelöst, um die Blicke möglichst wenig zu beeinträchtigen, dennoch aber den Eindruck eines gefassten Raumes zu vermitteln.

Zur Funktionsverteilung und Baukörperorganisation:

Die Baukörper selbst wurden als lineare Baustruktur mit konstanter Breite und gleichbleibendem Achsraster konzipiert. Dies ermöglicht eine sehr variable Nutzung der unterschiedlichen Flächen, nicht nur was die Wohnungsgrößen, sondern auch was die generelle Flächenverteilung betrifft. Es ergibt sich so ein hohes Maß an Nutzungsflexibilität, da anstelle von maßgeschneiderten Baukörpern eine abstrakte Gebäudestruktur entsteht, die Vergrößerungen oder Verkleinerungen, Verlagerungen oder Adaptierungen der einzelnen Funktionsbereiche ohne weiteres möglich macht. Dies erscheint vor allem in Anbetracht der vom Auslober gewünschten Funktionsmischung und in Folge sich verändernder Angebot- und Nachfragerahmenbedingungen äußerst sinnvoll. So wurde versucht die Funktionen Handel und Gewerbe, sowie Büro + Dienstleistung in den erdgeschossnahen Bereichen unterzubringen, während die Wohnflächen in den darüber liegenden Geschossen untergebracht wurden. Während die Flächen im Erdgeschoss sich mit einer geforderten Geschosshöhe von 4,5 m stark zu den Erschließungszonen hin öffnen (neue Straßenverbindung am Nordrand des Areals und zum Eingangshof), öffnen sich die Büro- und Dienstleistungsflächen in den Obergeschossen in beide Richtungen und schaffen so hochwertigen Arbeitsraum für die Nutzer. Das Studentenheim schließt, wie in der Auslobung empfohlen, direkt an den Bestand an der Kärntnerstraße an. Die Baukörperform selbst lehnt sich stark an den Bestandsbaukörpern an und unternimmt den Versuch eines Weiterbauens. Die Neubaukörper docken direkt an den Altbestand an und übernehmen die unmittelbare Dachform des Altbestandes. Sie treten so in einen direkten Dialog mit der vorhandenen Bausubstanz. Durch Manipulation des Querschnitts und durch zeitgemäße Materialisierung erhalten die neuen Volumen ihre Eigenständigkeit und sprechen eine zeitgenössische Sprache.
Da mit zunehmender Gebäudehöhe der Geräuschpegel deutlich zunimmt, wurde versucht die Haupträume der Wohnflächen möglich gegen die Hofflächen hin zu orientieren. Um zudem das System der vertikalen Erschließung zu optimieren, wurde für die Wohnbereiche ein Erschließungssystem mittels eines Laubenganges gewählt. Der Laubengang selbst ist kein offener Raum, sondern durch eine akustisch wirksame Außenhülle versehen, welche den Straßenlärm abhält und so diesen Raum mit eindeutigen Qualitäten belegt. Zudem wird durch eine großzügige Verglasung dieses Kaltraumes eine optimale Belichtung dieser räumlichen Situation garantiert.
Der Laubengang wurde um zwei Meter von der Wohnfassade distanziert. So erhalten auch die an den Laubengang angrenzenden Räume eine gewisse Intimität und es ergibt sich die Möglichkeit vor jeder Wohnfläche einen Vorbereich in Form einer freien Plattform einzufügen. Diese Plattform dient als Zubehörsfläche des privaten Wohnraumes und kann je nach Nutzer auf unterschiedlichste Weise in Anspruch genommen werden: als zusätzliche Balkonfläche, als Stauraumersatz, als klassischer Wohnungsvorbereich oder zum Abstellen von Kinderwägen, Räder etc.. Hofseitig sind alle Wohnungen mit einer Balkonfläche ausgestattet, welche unterschiedliche Tiefen für die verschiedenen Nutzungen zur Verfügung stellt und garantiert, dass jeder Nutzer die durch die Innenhöfe bereitgestellte Wohnqualität uneingeschränkt nutzen kann. Ähnlich wie die Organisation der Büro und Dienstleistungsflächen wurde auch das Studentenheim als zweihüftige Anlage konzipiert. Um dabei beengende und dunkle Gangsituationen zu vermeiden wird der Mittelgang immer wieder über offene Gemeinschaftsräume mit der Fassade verbunden, sodass in regelmäßigen Abständen natürliches Licht in die Tiefe der Baustruktur eindringen kann.

Materialkonzept:

Die Materialwahl des Projektes folgt der räumlichen und konstruktiven Logik des Projektes. Primäres Konzept ist es, ein Gebäude mit zwei Seiten zu generieren, welches sich zum Stadtraum robust und nüchtern zeigt, während es sich zu den Höfen hin differenzierter und feingliedriger zeigt. Zudem sollten sich die neuen Bauteile klar von der Bestandsstruktur abheben und in ihrer Erscheinung den Charakter des Hinzugefügten und des Eingepassten tragen. So wurde für die der Stadt zugewandten Seiten weißes Trapezblech gewählt, um eine strukturierte, aber gerichtete Oberfläche zu erzeugen und Dach und Wandflächen mit demselben Material einkleiden zu können. So wird auch dem Satteldachthema seine tradierte Komponente genommen und der Formschluss zwischen Alt und Neu deutlicher herausgearbeitet. Durchbrochen wird diese weiße metallische Haut von versetzt angeordneten Fensterbändern, welche den Körper gliedern und ihm eine Maßstäblichkeit verleihen und ausreichend Licht in die nordseitig angeordneten Räume bringen sollen. Die Trapezblechfassade reicht aber nicht bis zum Boden, sondern endet oberhalb des Erdgeschosses bzw. 1. Obergeschosses, um die Flächen für Büro und Handel mit Nurglas-Fassadenelementen in Erscheinung treten zu lassen. In diesen Bereichen wird auch die Tragstruktur mit den markanten Y-Stützen, welche eine kompaktere Lastabtragung gewährleisten sollen deutlich sichtbar. Auf den hofzugewandten Seiten ist das Fassadenbild differenzierter. Hier zeichnen sich die Geschossdecken mit den vorgelagerten Balkonen als horizontale Geschossmarkierungen ab. Die Wandflächen der einzelnen Geschosse sind mit einer stehenden Holzschalung eingekleidet, wobei diese Holzschalung im Erdgeschossbereich in einem farblosen grau, jene der darüberliegenden Geschoss in leicht unterschiedlichen Grüntönen eingefärbt wird. So wird im Bodenbereich die Hoffläche durch das Gebäude eindeutig limitiert, während in den Obergeschossen die Fassade und das Grün des Hofes sich zu verbinden scheinen. Leichte Streckmetallgitter sollen die Balkonbrüstungen bilden. Markisen, Außenmöbel auf den Balkonen, Pflanzen, Wäscheständer, Spielgeräte von Kindern und andere Zeichen menschlichen Wohnens brechen mit der Zeit die Rigidität der Fassade und lassen das Gebäude zu einer bewohnten Struktur werden.

Statisches und energetisches Konzept:

Das statische Konzept der neuen Gebäudestrukturen wurde so einfach wie möglich gehalten. Aufgrund der linearen Baukörperstrukturen mit begrenzter Baukörpertiefe, können die freien Spannweiten weitestgehend in Grenzen gehalten werden, sodass die Lastabtragung linear über die Wohnungsaußenwände mit ergänzender Säulen-Trägerstruktur aus Stahl- und Stahlbeton erfolgen kann. Ausgesteift werden die vertikalen Strukturen durch die durchlaufenden Stahlbetongeschossdecken, sowie die vertikalen Erschließungskerne. Dadurch können die zur Lastabtragung notwendigen Sonderbauteile in Grenzen gehalten werden. Zudem ermöglicht die Beibehaltung eines konstanten Achsrasters von 2,8 m bzw. 5,6 m die direkte Abtragung bis in die Fundamentplatten unterhalb des Tiefgaragengeschosses.
Das energetische Konzept des Gebäudes basiert auf der Tatsache, dass sich durch die abgeschlossene Bauköperform, sowie dem kompakten Gebäudequerschnitt, Faktoren wie die Energieabgabe, die winterliche Auskühlung, aber auch sommerliche Überhitzung, positiv auf den Energiehaushalt auswirken. Durch die Hofbildung entstehen thermische Inseln (Mikroklimate), die sich in ihrer Temperaturentwicklung von jener der städtischen Umgebung unterscheiden, da sie sich in den Sommermonaten weniger schnell überhitzen bzw. in den Wintermonaten nicht so stark auskühlen. Das beigefügte Diagramm verdeutlicht diese unterschiedliche Temperaturentwicklung anhand eines Temperaturdiagramms für die Sommermonate. Es wird deutlich, dass durch die vorliegenden Hofsituationen, sowie durch die Außenraumgestaltung Temperaturspitzen ausgeglichen und abgeschwächte werden können. Weiters wurden die Baukörper dahingehend ausgebildet, dass an den Nordseiten kaum beheizten Wohnflächen direkt an der Außenfassade zu liegen kommen, sondern durch den vorgelagerten Laubengang eine Pufferzone vorgeschaltet wird. An den Hofflächen hingegen öffnet sich die Fassade, sodass der Energieeintrag durch Sonnenlicht maximal genutzt wird. Ein weiterer wesentlicher Faktor des Energiekonzeptes ist die Ausnutzung alternativer Energien. Dadurch, dass der Entwurf die Dachform des Bestandes übernimmt und manipuliert, ergeben sich gut ausgerichtet Dachflächen, welche mit PV- und thermischen Solarelementen bestückt werden können, um solare Energie in Strom bzw. Warmwasser umzuwandeln und somit für das Gebäude nutzbar zu machen. Weiters ist der Einbau von Luftwärmepumpen eine sinnvolle Ergänzung zu Photovoltaik und Solarthermie für den Betrieb der Heizanlage. Die Kapazitäten und Anforderungen liegen im optimalen Bereich der Auslastbarkeit der Anlage und vor allem durch die Rückgewinnung der Energie aus Heiz- und Lüftungsanlage können zudem Energieeinsparungen erzielt werden. Ein weiterer wesentlicher Faktor des Energieprojektes ist die Schaffung einer kompakten Gebäudehülle und die Minimierung der baulichen Wärmebrücken, welche durch das Verwenden eines Regelquerschnittes und einer begrenzten Zahl an auskragenden Bauteilen bzw. Vor- und Rücksprüngen in der Klimahülle im vorliegend Falle gegeben ist.